Digitalisierung & KI an Grundschulen

Der GEB GS begleitet die Digitalisierung an Münchner Grundschulen. Infos zur IT-Ausstattung, Medienbildung, KI-Einsatz und digitalen Kompetenzen von Grundschulkindern.

Warum uns das Thema wichtig ist

Die digitale Welt ist längst Realität im Leben unserer Kinder – ob beim Spielen, Kommunizieren oder Lernen. Umso wichtiger ist es, dass Grundschulen Kinder nicht nur mit digitalen Geräten ausstatten, sondern ihnen von Anfang an eine reflektierte, kompetente und kreative Nutzung digitaler Medien vermitteln.

Der GEB GS setzt sich dafür ein, dass die Digitalisierung an Münchner Grundschulen pädagogisch sinnvoll gestaltet wird – mit zeitgemäßer Ausstattung, qualifizierten Lehrkräften und einem durchdachten Medienkonzept. Gleichzeitig begleiten wir kritisch-konstruktiv die Entwicklungen im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI) und deren Einsatz im Grundschulbereich.

Unser Ziel: Jedes Kind soll die digitale Welt verstehen, sicher navigieren und aktiv mitgestalten können – als vierte Kulturtechnik neben Lesen, Schreiben und Rechnen.

Die Münchner Strategie: Digitale Bildung bis 2025

Das Referat für Bildung und Sport (RBS) der Landeshauptstadt München verfolgt seit 2018 eine umfassende Digitalisierungsstrategie für alle Bildungseinrichtungen. Ziel war es, bis 2025 die grundlegende Digitalisierung an allen öffentlichen Schulen im Zuständigkeitsbereich des RBS abzuschließen.

Die Strategie ruht auf drei Säulen:

  1. IT-Ausstattung:
    Zeitgemäße technische Infrastruktur in allen Schulen – von WLAN über interaktive Whiteboards bis hin zu Tablets für Schülerinnen und Schüler im 1:1-Setting.
  2. Medienpädagogik:
    Vermittlung von Medienkompetenz bei Lehr- und Erziehungspersonal sowie Kindern. Medienbildung wird als eigenständiger Bildungsbereich verstanden.
  3. Fortbildung & Unterstützung:
    Qualifizierung der Pädagog*innen durch Fortbildungsangebote, Ausbau des Portals für Medienpädagogik (medienbildung-muenchen.de) und Medienservice mit Verleih von Bildungsmedien.

Aktueller Stand (2025):
Die technische Ausstattung hat sich deutlich verbessert. Neugebaute Schulen verfügen über interaktive Whiteboards in jedem Klassenzimmer, bestehende Schulen werden sukzessive nachgerüstet. Die Eins-zu-Eins-Ausstattung mit Endgeräten für Schüler*innen wird schrittweise ausgerollt.

Medienbildung in der Grundschule

Medienbildung ist im bayerischen LehrplanPLUS für Grundschulen als übergreifendes Bildungs- und Erziehungsziel fest verankert. Das bedeutet: Digitale Kompetenzen werden nicht in einem eigenen Fach, sondern fächerübergreifend in allen Unterrichtsbereichen vermittelt.

Was Grundschulkinder lernen sollen:

  • Recherchieren: Informationen im Internet suchen und finden
  • Bewerten: Inhalte kritisch hinterfragen ("Ist das wahr?", "Wer hat das geschrieben?")
  • Gestalten: Einfache digitale Präsentationen, Plakate oder Texte erstellen
  • Kommunizieren: Höflich und respektvoll digital kommunizieren
  • Schützen: Eigene Daten schützen, sichere Passwörter verwenden
  • Reflektieren: Eigene Mediennutzung hinterfragen (Bildschirmzeit, Cybermobbing, Datenschutz)

Portal für Medienpädagogik München:
Das RBS stellt auf medienbildung-muenchen.de Materialien, Fortbildungen und Beratung für Lehrkräfte, Erziehende und Eltern bereit. Die "medienBox" bietet zudem technische Unterstützung und Verleih von Medien (inkl. VR-Brillen).

Digitale Ausstattung: Wo steht München?

Positive Entwicklungen:

  • WLAN: Flächendeckender Ausbau in allen städtischen Schulen
  • Interaktive Whiteboards: Werden sukzessive in allen Klassenzimmern installiert
  • Tablets für Schüler*innen: Schrittweise Einführung des 1:1-Settings (ein Gerät pro Kind)
  • Digitale Lehr- und Lernplattformen: Zugang zu mebis (Lernplattform Bayern) und weiteren Tools
  • Medienteams an Schulen: Jede Schule soll eine Lehrkraft haben, die das Medienkonzept koordiniert

Herausforderungen:

  • Wartung & Support: Die Betreuung der vielen Geräte bindet Ressourcen
  • Fortbildung: Nicht alle Lehrkräfte fühlen sich sicher im Umgang mit digitalen Tools
  • Pädagogische Konzepte: Geräte allein machen noch keinen guten Unterricht – es braucht durchdachte didaktische Konzepte
  • Chancengleichheit: Kinder aus benachteiligten Familien haben oft schlechtere Voraussetzungen

Künstliche Intelligenz (KI) an Grundschulen

Seit der Veröffentlichung von ChatGPT Ende 2022 ist das Thema Künstliche Intelligenz auch im Bildungsbereich in aller Munde. Auch an Grundschulen stellt sich die Frage: Wie gehen wir mit KI-Tools um?

Was ist KI überhaupt?
Künstliche Intelligenz bezeichnet die Fähigkeit von Computersystemen, Aufgaben zu lösen, die normalerweise menschliche Intelligenz erfordern – wie Texte schreiben, Bilder erkennen oder Sprachen übersetzen.

KI im Grundschulunterricht: Chancen und Risiken

Chancen:

  • Individualisiertes Lernen: KI-basierte Lernprogramme können sich an das Lerntempo einzelner Kinder anpassen
  • Lehrkräfte-Entlastung: KI kann bei der Unterrichtsvorbereitung, Materialgenerierung oder Korrektur helfen
  • Kreativität fördern: KI-Tools können Schreibblockaden lösen oder neue Ideen anregen
  • Barrierefreiheit: Sprachassistenten und Übersetzungstools können Kindern mit Behinderungen oder Sprachbarrieren helfen

Risiken:

  • Datenschutz: Viele KI-Tools sind nicht DSGVO-konform und sammeln Daten
  • Fehlinformationen: KI-generierte Inhalte können falsch oder irreführend sein ("Halluzinationen")
  • Unkritische Nutzung: Kinder könnten KI-Antworten unreflektiert übernehmen
  • Ungleichheit: Nicht alle Familien haben Zugang zu KI-Tools
  • Ethische Fragen: Wer ist verantwortlich für KI-generierte Inhalte? Wie transparent sind Algorithmen?

Offizielle Richtlinien: KI in bayerischen Schulen

Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus hat im November 2024 einen Handlungsleitfaden "Künstliche Intelligenz in der pädagogischen Praxis" veröffentlicht. Dieser gibt Schulen Hilfestellung bei der Prüfung und Einführung von KI-Anwendungen.

Zentrale Grundsätze:

  • KI-Werkzeuge müssen pädagogisch sinnvoll sein und einen Mehrwert bieten
  • Datenschutz und Rechtssicherheit (DSGVO, EU AI Act) müssen gewährleistet sein
  • Lehrkräfte und Schüler*innen müssen sensibilisiert werden für Chancen UND Risiken
  • KI-generierte Inhalte sind kritisch zu prüfen
  • Die Einführung von KI ist in den Schulentwicklungsprozess einzubetten

Für Grundschulen bedeutet das:

  • ChatGPT und ähnliche Tools dürfen NICHT frei von Grundschulkindern genutzt werden (Mindestalter 13 Jahre, mit Einwilligung der Eltern; ab 18 ohne Einwilligung)
  • Lehrkräfte können KI-Tools nutzen, dürfen aber keine personenbezogenen Daten von Schüler*innen eingeben
  • Im Klassenverband kann die Lehrkraft KI demonstrieren, ohne dass Kinder eigene Accounts benötigen
  • Der Fokus liegt auf Lernen ÜBER KI, nicht primär Lernen MIT KI

Medien- und KI-Budget:
Der Freistaat Bayern stellt Schulen ein spezielles Budget zur Beschaffung digitaler Bildungsmedien und KI-Tools bereit.

Lernen ÜBER KI: Medienerziehung in der Grundschule

Schon Grundschulkinder sollten verstehen, was KI ist, wie sie funktioniert und welche Auswirkungen sie hat.

Mögliche Unterrichtsthemen (altersgerecht):

  • Was ist eine KI? Spielerische Einführung: "Computer, die lernen können"
  • Wo begegnet uns KI im Alltag? Sprachassistenten (Alexa, Siri), Suchmaschinen, YouTube-Empfehlungen
  • Wie funktioniert KI? Vereinfacht: Muster erkennen, Wahrscheinlichkeiten berechnen
  • Was kann KI – und was nicht? KI kann rechnen und Muster finden, aber nicht denken oder fühlen
  • Ist alles wahr, was die KI sagt? Kritisches Hinterfragen von Informationen
  • Wer hat die KI programmiert? Menschen entscheiden, was die KI lernt

Materialien & Ressourcen:

  • mebis Magazin (ISB): Unterrichtsmaterialien zu KI für alle Jahrgangsstufen
  • Beratung digitale Bildung Bayern (BdB): Fortbildungen und Referenten für Schulen
  • SoekiaGPT (PH Schwyz): Didaktisch vereinfachtes Tool, um KI-Grundlagen zu verstehen

Aktuelle Studien: Wie steht es um die digitalen Kompetenzen?

ICILS 2023 – Alarmierende Ergebnisse

Die internationale Studie "International Computer and Information Literacy Study" (ICILS) untersucht alle fünf Jahre die digitalen Kompetenzen von Achtklässlerinnen. Die Ergebnisse 2023 sind besorgniserregend – auch wenn die Studie nicht direkt Grundschülerinnen betrifft, zeigt sie, wohin die Reise geht.

Zentrale Ergebnisse für Deutschland:

  • Kompetenzrückgang: Deutsche Achtklässler*innen erreichten 2023 durchschnittlich 502 Punkte (über internationalem Mittelwert), aber deutlich weniger als 2013 (523 Punkte) und 2018 (518 Punkte)
  • 40 % mit Grundkenntnissen: Über 40 % der Jugendlichen verfügen nur über rudimentäre digitale Kompetenzen – sie können "klicken und wischen", aber Informationen nicht kritisch bewerten oder produktiv nutzen
  • Große Unterschiede: Gymnasiastinnen schneiden deutlich besser ab als Schülerinnen anderer Schulformen; Kinder mit Migrationshintergrund haben signifikant schlechtere Kompetenzen
  • Wenig Spitzenleistungen: Nur 1,1 % erreichen die höchste Kompetenzstufe

Was bedeutet das für Grundschulen?
Die Grundlagen werden in der Grundschulzeit gelegt! Wenn Kinder dort keine solide Medienkompetenz entwickeln, holen sie es später schwer auf. Die ICILS-Studie ist ein Weckruf: Digitale Ausstattung allein reicht nicht – es braucht pädagogische Konzepte, qualifizierte Lehrkräfte und gezielte Förderung.

Unsere Positionen und Forderungen

Der GEB GS begleitet die Digitalisierung an Münchner Grundschulen kritisch-konstruktiv:

Pädagogik vor Technik:
Die neueste Hardware bringt nichts ohne durchdachte pädagogische Konzepte. Jede Schule braucht ein Medienkonzept, das definiert, wann und wie digitale Medien sinnvoll eingesetzt werden.

Fortbildung ist Pflicht:
Lehrkräfte müssen Zeit und Ressourcen für Fortbildungen erhalten. Medienpädagogik muss verpflichtender Bestandteil der Lehrerausbildung werden.

Chancengleichheit sicherstellen:
Kinder aus sozial benachteiligten Familien dürfen nicht abgehängt werden. Schulen müssen sicherstellen, dass ALLE Kinder Zugang zu digitalen Medien und Lernmöglichkeiten haben – auch zu Hause.

Datenschutz ernst nehmen:
Bei der Auswahl digitaler Tools muss der Datenschutz oberste Priorität haben. Keine personenbezogenen Daten von Kindern in kommerzielle Cloud-Dienste!

Kritische Medienkompetenz fördern:
Kinder müssen lernen, digitale Inhalte zu hinterfragen, Fake News zu erkennen und verantwortungsvoll zu kommunizieren. Das ist mindestens so wichtig wie die Bedienung von Geräten.

KI transparent und verantwortungsvoll einsetzen:
KI-Tools dürfen nur dann eingesetzt werden, wenn klar ist, wie sie funktionieren, wer die Daten verarbeitet und welchen pädagogischen Mehrwert sie bieten. Bei Grundschulkindern ist besondere Vorsicht geboten.

Bildschirmzeit begrenzen:
Digitale Medien sind Werkzeuge, keine Allheilmittel. Grundschulkinder brauchen weiterhin analoge Erfahrungen, Bewegung, soziale Interaktion und kreatives Spiel.

Eltern einbeziehen:
Schulen sollten regelmäßig Elternabende zu Medienthemen anbieten. Medienerziehung funktioniert nur, wenn Schule und Elternhaus an einem Strang ziehen.

Praktische Tipps für Eltern

Wie kann ich mein Grundschulkind im Umgang mit digitalen Medien unterstützen?

1. Seien Sie Vorbild:
Kinder lernen durch Nachahmung. Wenn Sie selbst ständig am Smartphone hängen, wird es Ihr Kind auch tun.

2. Vereinbaren Sie klare Regeln:

  • Bildschirmzeit begrenzen (z.B. max. 30-60 Minuten pro Tag für Grundschulkinder)
  • Keine Bildschirme beim Essen oder vor dem Schlafengehen
  • Gemeinsam Inhalte auswählen

3. Nutzen Sie Medien gemeinsam:
Schauen Sie zusammen Videos, spielen Sie gemeinsam altersgerechte Spiele, recherchieren Sie zusammen im Internet. So können Sie begleiten und Fragen beantworten.

4. Sprechen Sie über Medieninhalte:
Fragen Sie: "Was hast du heute online gemacht?", "Was hat dir gefallen?", "Gab es etwas Komisches?"

5. Schützen Sie Ihr Kind:

  • Richten Sie Kinderschutzfilter ein
  • Verwenden Sie Kinder-Accounts mit eingeschränkten Rechten
  • Besprechen Sie Gefahren (Fremde im Netz, Cybermobbing, verstörende Inhalte)

6. Fördern Sie analoge Alternativen:
Digitale Medien sind nur EIN Teil der Kindheit. Sorgen Sie für ausreichend Bewegung, Spiel im Freien, Lesen, kreatives Gestalten.

7. Holen Sie sich Hilfe:
Bei Unsicherheiten oder Problemen: Sprechen Sie mit Lehrkräften, nutzen Sie Beratungsangebote oder besuchen Sie Elternabende zum Thema Medienerziehung.