Integration & Sprachförderung an Münchner Grundschulen

Integration ist Bereicherung
München ist bunt und vielfältig. An den 142 staatlichen Grundschulen lernen Kinder aus über 100 Nationen gemeinsam – mit unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Familiengeschichten. Diese Vielfalt ist eine Bereicherung für die gesamte Schulgemeinschaft.
Kinder mit Migrationshintergrund bringen neue Perspektiven, Sprachen und Erfahrungen mit. Durch das Miteinander lernen alle Kinder gegenseitiges Verständnis, Toleranz und interkulturelle Kompetenzen – wichtige Fähigkeiten für unsere globalisierte Welt.
Gleichzeitig stellt Integration Schulen vor Herausforderungen: Viele Kinder sprechen zu Hause kein Deutsch und benötigen intensive Sprachförderung, um erfolgreich am Unterricht teilnehmen zu können. Der GEB GS setzt sich dafür ein, dass alle Kinder – unabhängig von ihrer Herkunft – die gleichen Bildungschancen erhalten.
Die Situation in München
München hat einen hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund:
Aktuell (Schuljahr 2024/25):
- An vielen Münchner Grundschulen haben mehr als 50 % der Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund
- In einigen Stadtvierteln (z.B. Maxvorstadt, Schwabing, Ludwigsvorstadt) liegt der Anteil bei über 70-80 %
- Über 100 verschiedene Herkunftssprachen werden an Münchner Grundschulen gesprochen
- Die häufigsten Herkunftsländer: Türkei, Syrien, Afghanistan, Rumänien, Bulgarien, Polen, Kroatien, Italien, Spanien, Ukraine
Herausforderung Sprachförderung:
- Viele Kinder kommen mit geringen oder keinen Deutschkenntnissen in die Grundschule
- In manchen Familien wird ausschließlich die Herkunftssprache gesprochen
- Sprachliche Defizite wirken sich auf alle Unterrichtsfächer aus – nicht nur auf Deutsch
Aber auch: Integration gelingt in München vielerorts hervorragend! Schulen mit hohem Migrationsanteil entwickeln kreative pädagogische Konzepte, engagierte Lehrkräfte fördern Kinder individuell, und Eltern verschiedener Kulturen arbeiten gemeinsam im Elternbeirat.
Förderangebote des Freistaats Bayern und der Stadt München
Das Staatliche Schulamt München sowie das Referat für Bildung und Sport (RBS) bieten ein umfangreiches Förderungssystem für Kinder mit Migrationshintergrund:
1. Vorkurse Deutsch (vor der Einschulung)
Für wen?
Kinder, die vor der Einschulung noch Deutschdefizite haben.
Was?
Bereits im letzten Kindergartenjahr erhalten Kinder Vorkurse in Deutsch, um Sprachdefizite frühzeitig abzubauen.
Umfang:
- 240 Stunden über 1,5 Jahre (letztes Kitajahr + erste Schulwochen)
- Je 120 Stunden durch Kindergarten und Grundschule
- Im Schuljahr 2024/25: 1.050 Lehrerstunden für Vorkurse in München
Ziel:
Kinder sollen bei Schulstart über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, um dem Unterricht folgen zu können.
2. Deutschklassen (für neu zugewanderte Kinder)
Für wen?
Kinder, die während der Grundschulzeit neu nach Deutschland zuwandern und noch keine oder kaum Deutschkenntnisse haben.
Was?
In Deutschklassen (auch Übergangsklassen genannt) lernen Kinder in einer speziellen Lerngruppe intensiv Deutsch, bevor sie in die Regelklasse wechseln.
Umfang:
- 10 Stunden Deutsch als Zweitsprache (DaZ) pro Woche zusätzlich zum sonstigen Unterricht
- Klassengröße: max. 20 Schüler
- Dauer: In der Regel 1-2 Schuljahre, dann Übertritt in Regelklasse
Aktuell in München (Schuljahr 2024/25):
72 Deutschklassen an Grund- und Mittelschulen
Ziel:
Möglichst schneller Übertritt in die Regelklasse der Sprengelschule mit ausreichenden Deutschkenntnissen.
3. Deutsch als Zweitsprache (DaZ) in Regelklassen
Für wen?
Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache, die bereits eine Regelklasse besuchen, aber noch Sprachförderbedarf haben.
Was?
Begleitende Fördermaßnahmen in Deutsch als Zweitsprache parallel zum regulären Unterricht.
Umfang:
Im Schuljahr 2024/25 stehen Münchner Grund- und Mittelschulen insgesamt 3.208 Lehrerstunden für DaZ-Förderung zur Verfügung.
Formen:
- Kleingruppen-Förderung (3-8 Kinder) mehrmals wöchentlich
- Teamteaching (zwei Lehrkräfte in einer Klasse)
- Differenzierung im Unterricht nach Sprachniveau
Lehrplan:
Der Unterricht folgt dem LehrplanPLUS Deutsch als Zweitsprache, der speziell auf die Bedürfnisse mehrsprachiger Kinder zugeschnitten ist.
4. DeutschPLUS-Klassen (Integrationsprofil)
Für wen?
Klassen, in denen mehr als 50 % der Kinder einen Migrationshintergrund haben.
Was?
Diese Klassen erhalten zusätzliche Ressourcen für Sprachförderung.
Maßnahmen:
- Klassenteilung ab 25 Schüler (statt 28)
- Temporäre Klassenteilung in Deutsch, Mathematik oder Heimat- und Sachunterricht
- Zusätzliche DaZ-Stunden
- Kleinere Lerngruppen für intensive Förderung
5. Interkulturelle Bildungskoordinatoren
Wer?
Speziell qualifizierte Lehrkräfte mit mehrjähriger Erfahrung im Unterricht mit Kindern mit Migrationshintergrund.
Aufgaben:
- Beratung von Schulen bei der Umsetzung von Deutschfördermaßnahmen
- Vermittlung interkultureller Kompetenz
- Unterstützung bei der Erstellung von Förderkonzepten
- Fortbildung für Lehrkräfte
Ziel:
Qualitätssteigerung im Unterricht, Stärkung interkultureller Kompetenzen, bessere Integration.
6. Islamischer und Alevitischer Religionsunterricht
Für wen?
Muslimische und alevitische Kinder, deren Familien dies wünschen.
Umfang:
- Islamischer Unterricht: An 30 Grund- und Mittelschulen in München, 370 Lehrerwochenstunden (Schuljahr 2024/25)
- Alevitischer Religionsunterricht: Sammelkurse an ausgewählten Grundschulen
Ziel:
Religiöse Bildung in deutscher Sprache, Integration religiöser Identität in das deutsche Schulsystem, Vermittlung demokratischer Werte.
Herausforderungen und Realität an Münchner Schulen (H2)
Trotz umfangreicher Fördermaßnahmen zeigen sich in der Praxis immer wieder Probleme:
Personalmangel
Das größte Problem:
Es fehlen qualifizierte Lehrkräfte – besonders im Bereich Deutsch als Zweitsprache (DaZ).
Folgen:
- DaZ-Stunden können nicht in vollem Umfang erteilt werden
- Lehrkräfte sind überlastet
- Individuelle Förderung kommt zu kurz
- Integration verläuft langsamer als nötig
Forderung des GEB GS:
Mehr Stellen für DaZ-Lehrkräfte, bessere Bezahlung, gezielte Anwerbung und Ausbildung von mehrsprachigem Personal.
Bildungsungerechtigkeit
Statistik zeigt (siehe Themenseite "Übertritt"):
- Deutsche Schüler*innen: 61,5 % Übergang zum Gymnasium
- Ausländische Schüler*innen: Nur 34,5 % Übergang zum Gymnasium
- Kinder aus bildungsfernen Familien mit Migrationshintergrund haben die geringsten Chancen
Ursachen:
- Sprachliche Barrieren wirken sich auf alle Fächer aus (auch Mathematik!)
- Eltern kennen das deutsche Schulsystem oft nicht
- Weniger Unterstützung bei Hausaufgaben
- Vorurteile und strukturelle Benachteiligung
Forderung des GEB GS:
Gezielte Förderung ab der Kita, mehrsprachige Elterninformation, Abbau von Vorurteilen, individuelle Beratung beim Übertritt.
Überlastung an Brennpunktschulen
An Schulen mit sehr hohem Migrationsanteil (80-90 %) stoßen Lehrkräfte an ihre Grenzen:
- Sehr heterogene Lerngruppen (von "kein Deutsch" bis "fließend")
- Soziale Probleme (Armut, beengte Wohnverhältnisse)
- Eltern schwer erreichbar (Sprachbarrieren, fehlende Zeit)
- Hohe Fluktuation im Kollegium
Forderung des GEB GS:
Brennpunktschulen brauchen deutlich mehr Ressourcen: kleinere Klassen, multiprofessionelle Teams (Sozialpädagoginnen, Schulpsychologinnen), bessere räumliche Ausstattung.
Unsere Positionen und Forderungen
Der GEB GS setzt sich für erfolgreiche Integration und Chancengerechtigkeit ein:
Frühe Sprachförderung ausbauen:
Sprachförderung muss bereits in der Kita beginnen – systematisch, durchgängig und mit ausreichend Personal. Vorkurse sind gut, reichen aber nicht aus.
Mehr Personal für DaZ:
Wir fordern deutlich mehr Stellen für Deutsch-als-Zweitsprache-Lehrkräfte. Jede Schule mit mehr als 30 % Migrationsanteil sollte eine fest angestellte DaZ-Fachkraft haben.
Kleinere Klassen:
In Klassen mit hohem Anteil an Kindern mit Sprachförderbedarf muss die Klassengröße auf max. 20 Schüler begrenzt werden.
Eltern aktiv einbeziehen:
Mehrsprachige Elterninformationen, Dolmetscher bei Elterngesprächen, Elternlotsen mit Migrationshintergrund – Integration funktioniert nur, wenn Eltern eingebunden werden.
Interkulturelle Kompetenz fördern:
Alle Lehrkräfte sollten Fortbildungen zu interkultureller Pädagogik erhalten. Auch Schüler*innen ohne Migrationshintergrund profitieren von interkulturellem Lernen.
Mehrsprachigkeit wertschätzen:
Mehrsprachigkeit ist eine Ressource, keine Defizit! Schulen sollten die Herkunftssprachen der Kinder wertschätzen und in den Unterricht einbeziehen (z.B. mehrsprachige Vorlesestunden, Sprachenportfolios).
Bildungsgerechtigkeit herstellen:
Herkunft darf nicht über Bildungserfolg entscheiden! Wir fordern gezielte Förderung für Kinder aus bildungsfernen Familien – unabhängig von der Nationalität.
Praktische Informationen für Eltern
Mein Kind spricht noch kein Deutsch – was nun?
Vor der Einschulung:
- Melden Sie Ihr Kind rechtzeitig zur Schuleinschreibung an (in der Regel im März/April)
- Informieren Sie die Schule über die Deutschkenntnisse Ihres Kindes
- Lassen Sie Ihr Kind am Vorkurs teilnehmen, falls angeboten
- Sprechen Sie mit Ihrem Kind zu Hause auch in Ihrer Muttersprache – eine starke Erstsprache hilft beim Deutschlernen!
Nach der Einschulung:
- Ihr Kind wird je nach Deutschkenntnissen entweder in eine Regelklasse mit DaZ-Förderung oder in eine Deutschklasse eingestuft
- Die Schule erstellt einen individuellen Förderplan
- Regelmäßige Gespräche mit der Lehrkraft helfen, den Fortschritt zu begleiten
Wie kann ich mein Kind zu Hause unterstützen?
Sprechen Sie Ihre Muttersprache!
Viele Eltern denken, sie müssten zu Hause Deutsch sprechen. Das ist falsch! Eine gut entwickelte Muttersprache ist die beste Basis für das Deutschlernen. Sprechen Sie zu Hause die Sprache, die Sie am besten beherrschen.
Vorlesen – in jeder Sprache:
Lesen Sie Ihrem Kind vor – auf Deutsch, in Ihrer Herkunftssprache oder zweisprachig. Das fördert Sprachgefühl, Wortschatz und Lesemotivation.
Alltag auf Deutsch:
Nutzen Sie Gelegenheiten im Alltag: Einkaufen, Schilder lesen, Fernsehen auf Deutsch (mit Untertiteln), Spielen mit deutschsprachigen Kindern.
Geduld haben:
Sprachenlernen braucht Zeit – in der Regel 2-3 Jahre für Alltagssprache, 5-7 Jahre für Bildungssprache. Setzen Sie Ihr Kind nicht unter Druck!
Wo finde ich Hilfe und Beratung?
Staatliches Schulamt München – Beratung Integration:
📧 integration@schulamt-muenchen.de
📞 089 / 233-83563
🌐 schulamt-muenchen.musin.de/integration
Staatliche Schulberatung München (mehrsprachig):
📧 info@sbmuc.de
📞 089 / 55 89 89-60
🌐 www.schulberatung.bayern.de
Elternlotsen / Elternbegleiter:
An vielen Schulen gibt es Elternlotsen mit Migrationshintergrund, die Sie in Ihrer Muttersprache beraten können. Fragen Sie an Ihrer Schule nach!
Bildungsberatung International (Stadt München):
Kostenlose Beratung für Zugewanderte zum deutschen Bildungssystem
📞 089 / 233-26875
🌐 www.muenchen.de/bildungsberatung-international
Mehrsprachige Informationen
Das Bayerische Kultusministerium sowie die Stadt München bieten viele Informationen in verschiedenen Sprachen:
Schulsystem in Bayern – mehrsprachig:
Broschüren in Arabisch, Türkisch, Russisch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Polnisch, Rumänisch, Bulgarisch, Farsi, Tigrinya, Ukrainisch
🔗 www.km.bayern.de - mehrsprachige Informationen
Schuleinschreibung – mehrsprachig:
Informationen zur Einschulung in 10 Sprachen
🔗 www.muenchen.de/schuleinschreibung
Downloads & Links
Bayerisches Kultusministerium:
- Integration an bayerischen Schulen
- LehrplanPLUS Deutsch als Zweitsprache
- Mehrsprachige Informationen zum Schulsystem (20 Sprachen)
Staatliches Schulamt München:
Stadt München: