Übertritt

Der GEB GS informiert über den Übertritt nach der 4. Klasse in München. Notenschnitte, Termine, Beratung und Unterstützung für Eltern beim Übergang zur weiterführenden Schule.
 

Der Übertritt – ein wichtiger Meilenstein

Der Übertritt von der Grundschule zur weiterführenden Schule ist für Kinder und Eltern ein bedeutender Schritt. Nach vier gemeinsamen Jahren in der Grundschule trennen sich die Wege: Mittelschule, Realschule oder Gymnasium – welche Schulart ist die richtige für mein Kind?

Der GEB GS begleitet Sie bei dieser wichtigen Entscheidung. Wir informieren über das bayerische Übertrittsverfahren, geben Orientierung und setzen uns für ein kind- und familiengerechtes System ein.

Wichtig zu wissen: Das bayerische Schulsystem bietet viele Wege. Kein Abschluss ist ein Sackgasse – über jede Schulart sind alle Abschlüsse bis zum Abitur erreichbar. Knapp die Hälfte aller Studierenden in Deutschland kommt nicht vom Gymnasium!

Das bayerische Übertrittsverfahren – So funktioniert's

Schritt 1: Information und Beratung (3. und 4. Klasse)

3. Klasse:
Bereits in der 3. Klasse erhalten Eltern erste Informationen zum Übertritt. Viele Grundschulen bieten einen Elternabend an, bei dem das bayerische Schulsystem und die verschiedenen Schularten vorgestellt werden.

4. Klasse – November:
Im Herbst findet ein ausführlicher Informationsabend statt, bei dem Lehrkräfte weiterführender Schulen (Mittelschule, Realschule, Gymnasium) über die besonderen Anforderungen ihrer Schulart berichten.

4. Klasse – Januar:
Elternabende an den weiterführenden Schulen – hier können Sie die Schulen kennenlernen, Fragen stellen und sich ein Bild machen.

Beratungsgespräche:
Die Klassenlehrkraft führt im Laufe der 4. Klasse mehrere Gespräche mit Ihnen. Sie kennt Ihr Kind am besten und kann Sie kompetent beraten.


Schritt 2: Das Übertrittszeugnis (Anfang Mai)

Am ersten Unterrichtstag im Mai erhalten alle Viertklässler in Bayern ihr Übertrittszeugnis. Dieses Zeugnis ist die Grundlage für die Entscheidung, auf welche weiterführende Schule Ihr Kind gehen kann.

Wichtig für das Übertrittszeugnis:
Es zählen ausschließlich die Noten in drei Fächern:

  • Deutsch
  • Mathematik
  • Heimat- und Sachunterricht (HSU)

Alle anderen Fächer (Sport, Musik, Kunst, Religion/Ethik, Englisch) werden nicht berücksichtigt!

Die Berechnung:
Der Notendurchschnitt wird aus den Jahresfortgangsnoten dieser drei Fächer berechnet.

Beispiel:

  • Deutsch: 2
  • Mathematik: 3
  • HSU: 2
    → (2 + 3 + 2) : 3 = 2,33 → Eignung für Gymnasium

Schritt 3: Welche Note für welche Schulart?

Gymnasium:
Notendurchschnitt bis 2,33
→ Beispiel: 2-2-3 oder 1-3-3 oder 4-1-2

Realschule:
Notendurchschnitt bis 2,66
→ Beispiel: 3-2-3 oder 2-3-3

Mittelschule:
Ohne Notenschnitt – alle Kinder können die Mittelschule besuchen.

Wichtig: Eine einzelne 4 oder sogar 5 kann durch bessere Noten ausgeglichen werden! Es zählt nur der Gesamtdurchschnitt.


Schritt 4: Der Probeunterricht (Mai)

Wenn Ihr Kind den erforderlichen Notenschnitt nicht erreicht hat, Sie aber dennoch überzeugt sind, dass es für die Realschule oder das Gymnasium geeignet ist, gibt es den Probeunterricht.

Was ist der Probeunterricht?
Ein dreitägiger Unterricht mit Prüfungscharakter an der aufnehmenden Schule (Realschule oder Gymnasium). Die Aufgaben werden zentral vom Kultusministerium gestellt.

Fächer:
Deutsch und Mathematik (schriftlich und mündlich)

Termine:
In der Regel Mitte/Ende Mai (Termine werden von den Schulen bekannt gegeben)

Bestanden:

  • Mindestens 3-4 oder besser: Ihr Kind hat den Probeunterricht bestanden und darf die Schulart besuchen.
  • Zweimal die Note 4: Eltern können sich dennoch für den Übertritt entscheiden (sog. "Elternwille bei 4-4").

Statistik:
Circa 50 % der Kinder bestehen den Probeunterricht fürs Gymnasium, circa 20 % für die Realschule. Aber: Kinder, die über den Probeunterricht eintreten, bestehen die 5. Klasse zu 90-98 % – fast genauso erfolgreich wie Kinder mit Übertrittszeugnis!


Schritt 5: Anmeldung (Anfang Mai)

Was mitbringen?

  • Übertrittszeugnis (Original)
  • Geburtsurkunde
  • ggf. Sorgerechtsbeschluss (bei Alleinerziehenden)
  • Passbild

Wichtig: Bei Realschule und Gymnasium gibt es keinen Rechtsanspruch auf eine bestimmte Schule! Beliebte Schulen können Kinder ablehnen, wenn mehr Anmeldungen als Plätze vorhanden sind. Informieren Sie sich frühzeitig über alternative Schulen.

Die drei Schularten im Überblick

Mittelschule

Für wen geeignet?
Kinder, die praktisch-handwerklich begabt sind, gerne anpacken und einen klaren Berufsbezug schätzen.

Was bietet die Mittelschule?

  • Kleine Klassen
  • Praxisnaher Unterricht
  • Starker Berufsbezug (Betriebspraktika ab der 7. Klasse)
  • Intensive Berufsorientierung
  • Projektunterricht und Soziales Lernen

Abschlüsse:

  • Erfolgreicher Mittelschulabschluss (nach 9. Klasse)
  • Qualifizierender Mittelschulabschluss – "Quali" (nach 9. Klasse)
  • Mittlerer Schulabschluss – M-Zug (nach 10. Klasse)

Und danach?
Mit dem Mittleren Schulabschluss kann Ihr Kind auf die Fachoberschule (FOS) wechseln und dort das Fachabitur oder sogar das Abitur machen!


Realschule

Für wen geeignet?
Kinder, die sowohl theoretisch als auch praktisch lernen möchten und einen mittleren Bildungsabschluss anstreben.

Was bietet die Realschule?

  • Ausgewogenes Verhältnis von Theorie und Praxis
  • Vier Wahlpflichtfächergruppen ab Klasse 7:
    • I: Mathematisch-naturwissenschaftlich-technisch
    • II: Wirtschaftlich
    • III a: Fremdsprachlich (Französisch)
    • III b: Musisch-gestalterisch, hauswirtschaftlich oder sozial
  • Intensive Berufsorientierung
  • Projektorientiertes Arbeiten

Abschluss:

  • Mittlerer Schulabschluss (nach 10. Klasse)

Und danach?
Mit gutem Realschulabschluss kann Ihr Kind aufs Gymnasium wechseln (Einführungsklasse) oder an die FOS/BOS und dort das Abitur machen.

Besonderheit in der 5. Klasse:
Die Realschule bietet im ersten Halbjahr bedarfsorientiert Ergänzungsunterricht in Deutsch, Mathematik und Englisch an, um den Übergang zu erleichtern.


Gymnasium

Für wen geeignet?
Kinder, die theoretisch-abstraktes Denken mögen, gerne mit Texten arbeiten, selbstständig lernen können und ein hohes Lerntempo verkraften.

Was bietet das Gymnasium?

  • Breite Allgemeinbildung
  • Zwei Fremdsprachen (ab Klasse 5 und 6)
  • Wissenschaftspropädeutisches Arbeiten
  • Verschiedene Ausbildungsrichtungen ab Klasse 8:
    • Sprachlich
    • Naturwissenschaftlich-technologisch
    • Wirtschafts- und sozialwissenschaftlich
    • Musisch

Abschluss:

  • Abitur (nach 9 Jahren – G9)

Wichtig:
Das Gymnasium ist anspruchsvoll und erfordert von Anfang an Selbstständigkeit, Durchhaltevermögen und hohe Lernbereitschaft.

Praktische Tipps für Eltern

Wie kann ich mein Kind unterstützen?

1. Bleiben Sie gelassen:
Druck und Angst wirken sich negativ auf Lernfreude und Leistung aus. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie es lieben – unabhängig von Noten.

2. Stärken Sie das Selbstvertrauen:
Loben Sie Anstrengung, nicht nur Ergebnis. "Du hast so fleißig gelernt!" ist besser als "Super, eine 1!"

3. Schaffen Sie gute Lernbedingungen:

  • Ruhiger Arbeitsplatz
  • Feste Hausaufgabenzeit
  • Ausreichend Schlaf (Grundschulkinder brauchen 10-11 Stunden!)
  • Gesunde Ernährung
  • Bewegung und Pausen

4. Helfen Sie – aber richtig:
Helfen Sie bei den Hausaufgaben, aber machen Sie sie nicht! Kinder müssen selbst denken und Fehler machen dürfen.

5. Kommunizieren Sie mit der Lehrkraft:
Bei Problemen oder Unsicherheiten: Sprechen Sie mit der Klassenlehrkraft. Je früher, desto besser!

6. Nachhilfe? Nur wenn wirklich nötig:
Nachhilfe in der 4. Klasse sollte die Ausnahme sein. Wenn Ihr Kind nur wegen des Übertritts zur Nachhilfe geht, überdenken Sie Ihre Erwartungen.

7. Überlegen Sie: Was braucht MEIN Kind?
Nicht: "Was wünschen WIR uns?"
Sondern: "Was ist gut für unser Kind? Wo fühlt es sich wohl? Was sind seine Stärken?"


Warnsignale: Wann ist der Druck zu groß?

⚠️ Achten Sie auf diese Anzeichen:

  • Bauchschmerzen, Kopfschmerzen vor der Schule
  • Schlafstörungen
  • Appetitlosigkeit
  • Weinen, Ängste
  • Rückzug, keine Lust auf Hobbys
  • Aggressivität

Falls Sie solche Symptome bemerken:
Sprechen Sie mit Ihrem Kind, reduzieren Sie den Druck und holen Sie sich professionelle Hilfe (Schulpsycholog*in, Beratungslehrkraft).

Beratung & Unterstützung

Klassenlehrkraft:
Erste Anlaufstelle – kennt Ihr Kind am besten

Beratungslehrkräfte an der Grundschule:
Spezialisiert auf Schullaufbahnberatung

Staatliche Schulberatung München:
📧 info@sbmuc.de
📞 089 / 55 89 89-60
🌐 www.schulberatung.bayern.de

Staatliche Schulberatungsstelle Oberbayern-Ost:
📧 info@sbost.de
📞 089 / 982 955 110
📍 Beetzstraße 4, 81679 München
🌐 www.schulberatung.bayern.de

Zentraler Schulpsychologischer Dienst (städtische Schulen):
📧 schulpsychologie.rbs@muenchen.de
📞 089 / 233-66500

Staatliches Schulamt München:
🌐 www.schulamt-muenchen.musin.de

Weiterführende Informationen

Bayerisches Kultusministerium:

Landeshauptstadt München:

Elterninitiativen:

Denken Sie daran: Es gibt viele Wege zum Ziel. Der beste Weg ist der, auf dem sich Ihr Kind wohlfühlt und seine Potenziale entfalten kann!