Warum uns das Thema wichtig ist

Viele Münchner Familien sind auf eine verlässliche Ganztagsbetreuung für ihre Grundschulkinder angewiesen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die individuelle Förderung der Kinder und Chancengerechtigkeit stehen dabei im Mittelpunkt.
München steht vor einer großen Herausforderung: Ab August 2026 tritt der bundesweite Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder in Kraft. Das bedeutet, dass jedes Kind ab der ersten Klasse einen Anspruch auf acht Stunden Bildung und Betreuung an allen fünf Wochentagen hat.
Der GEB GS setzt sich dafür ein, dass dieser Rechtsanspruch nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ hochwertig umgesetzt wird – mit ausreichend pädagogischem Personal, kindgerechten Räumen und einem ganzheitlichen Bildungskonzept.
Die Münchner Ganztagsstrategie
Das Referat für Bildung und Sport (RBS) der Landeshauptstadt München hat eine umfassende Strategie entwickelt, die auf vier Säulen ruht:
1. Kooperative Ganztagsbildung (KoGa)
Das innovative Münchner Modell, bei dem Grundschule und Jugendhilfe gemeinsam für den ganzen Tag verantwortlich sind.
2. Tagesheime
Ganztagseinrichtungen, die Bildung, Betreuung und Erziehung am Nachmittag übernehmen.
3. Horte
Klassische Betreuungseinrichtungen für Grundschulkinder nach dem Unterricht.
4. Gebundener und offener Ganztag sowie Mittagsbetreuung
Verschiedene schulische Angebote mit unterschiedlicher Intensität und Verbindlichkeit.
Diese vier Säulen ergänzen sich und sollen zusammen den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab 2026 sicherstellen.
Kooperative Ganztagsbildung (KoGa) – Das Münchner Modell
Die Kooperative Ganztagsbildung ist das zentrale Modell der Landeshauptstadt München für die Zukunft der Ganztagsbetreuung.
Was ist KoGa?
KoGa ist ein gemeinsames Bildungs- und Betreuungsangebot von Grundschule und einem freien oder städtischen Träger der Kinder- und Jugendhilfe. Beide Partner bilden eine Verantwortungsgemeinschaft für den ganzen Tag – von 8 bis 18 Uhr.
Das Besondere an KoGa:
- Platzgarantie: Eltern erhalten bereits am Tag der Schuleinschreibung die Garantie auf einen Ganztagsplatz an ihrer Sprengelschule.
- Flexibilität: Familien entscheiden selbst, an welchen Tagen und wie viele Stunden ihr Kind nachmittags bleibt.
- Ferienbetreuung: Die Betreuung gilt auch in den Ferien – von 8 bis 18 Uhr.
- Gemeinsame Raumnutzung: Alle Räume des Schulgebäudes werden von Schule und Träger gemeinsam genutzt.
- Rhythmisierte oder flexible Variante: Eltern können zwischen gebundenem Ganztag (rhythmisiert) oder flexibler Betreuung wählen.
Wie funktioniert KoGa im Alltag?
- Vormittag: Regulärer Unterricht
- Mittagszeit: Gemeinsames Mittagessen in der Mensa
- Nachmittag: Lernzeit (Hausaufgabenbetreuung bei flexibler Variante), Spielzeit, Freizeitangebote, Projekte
Aktueller Stand:
Seit dem Schuljahr 2018/2019 wächst das KoGa-Angebot stetig. Inzwischen gibt es über 32 KoGa-Standorte in München mit freien und städtischen Trägern. Weitere Standorte sind in Planung.
Erfolgreiche wissenschaftliche Evaluation:
Das Staatsinstitut für Frühpädagogik und Medienkompetenz (IFP) hat das Modell evaluiert und die positive Wirkung bestätigt: KoGa fördert die ganzheitliche Entwicklung der Kinder, verbessert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und stärkt die Bildungsgerechtigkeit.
Kosten der Ganztagsbetreuung
Kooperative Ganztagsbildung (KoGa):
- Die Betreuung ist einkommensabhängig gestaffelt
- Familien mit einem Jahreseinkommen bis 50.000 Euro zahlen keine Gebühren (außer Verpflegung)
- Ab 80.000 Euro Jahreseinkommen gilt die volle Gebühr
- Zusätzlich: Verpflegungsgeld von ca. 105 Euro pro Monat (21 Verpflegungstage)
Die genauen Gebühren richten sich nach der gebuchten Betreuungszeit und dem Familieneinkommen. Aktuelle Gebührentabellen finden Sie auf der Website der Stadt München.
Horte und Tagesheime:
Auch hier gelten einkommensabhängige Gebühren. Eltern können beim Referat für Bildung und Sport eine Gebührenermäßigung beantragen.
Gebundener Ganztag:
Der gebundene Ganztag an der Schule (Unterricht bis 16 Uhr) ist kostenfrei. Nur das Mittagessen muss bezahlt werden.
Unsere Positionen und Forderungen
Der GEB GS begleitet den Ausbau der Ganztagsbetreuung kritisch-konstruktiv und setzt sich für die Interessen der Eltern und Kinder ein:
Qualität vor Quantität:
Der Rechtsanspruch 2026 darf nicht nur erfüllt, sondern muss mit hoher pädagogischer Qualität umgesetzt werden. Das bedeutet:
- Ausreichend qualifiziertes Personal mit fairer Bezahlung
- Angemessener Betreuungsschlüssel
- Kindgerechte Räume mit Rückzugsmöglichkeiten
- Vielfältige pädagogische Angebote
Transparenz und Mitsprache:
Eltern müssen frühzeitig und umfassend über Ganztagsangebote informiert werden. Bei der Gestaltung der Angebote sollen Elternbeiräte aktiv eingebunden werden.
Bezahlbarkeit:
Ganztagsbetreuung muss für alle Familien bezahlbar sein. Wir begrüßen die einkommensabhängige Staffelung und setzen uns dafür ein, dass Gebühren sozial gerecht bleiben.
Wahlfreiheit:
Nicht jede Familie braucht Ganztagsbetreuung. Eltern, die ihr Kind nur stundenweise betreuen lassen möchten, müssen flexible Angebote wie Mittagsbetreuung weiterhin nutzen können.
Kooperation auf Augenhöhe:
An KoGa-Standorten müssen Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte Zeit für Absprachen und gemeinsame Planung haben. Wir fordern mehr Stundenkontingente für die Zusammenarbeit.
Ferienbetreuung:
Auch in den Ferien müssen ausreichend Plätze zur Verfügung stehen. Die Ferienbetreuung darf nicht zur Achillesferse des Rechtsanspruchs werden.
Herausforderungen und offene Fragen
Der Ausbau der Ganztagsbetreuung ist eine Mammutaufgabe. Folgende Herausforderungen sehen wir:
Personalmangel:
Es fehlen Tausende pädagogische Fachkräfte in München. Ohne attraktive Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung wird der Rechtsanspruch nicht zu erfüllen sein.
Räume:
Viele Grundschulen platzen jetzt schon aus allen Nähten. Für Ganztagsbetreuung werden zusätzliche Räume für Ruhe, Spiel und Projekte benötigt.
Finanzierung:
Die Kosten für den Ganztagsausbau sind enorm. Es braucht eine verlässliche Finanzierung durch Bund, Freistaat und Kommune.
Mittagsverpflegung:
Gesundes, frisch gekochtes Essen für alle Kinder – das ist eine logistische Herausforderung. Nicht alle Schulen haben eine eigene Küche oder Mensa.
Praktische Informationen für Eltern
Wo finde ich Ganztagsangebote an meiner Grundschule?
Nutzen Sie die Schulsuche der Stadt München und prüfen Sie, welche Angebote an Ihrer Sprengelschule verfügbar sind:
🔗 Schulsuche München
Wie melde ich mein Kind für KoGa an?
Die Anmeldung erfolgt direkt am Tag der Schuleinschreibung. Sprechen Sie mit der Schulleitung oder dem Träger der KoGa-Einrichtung.
Welche Alternativen gibt es zu KoGa?
- Hort: Klassische Nachmittagsbetreuung mit Hausaufgabenhilfe und Freizeitangeboten
- Tagesheim: Ganztägige Betreuung mit Mittagessen
- Mittagsbetreuung: Kurzbetreuung bis ca. 14-16 Uhr (je nach Schule)
- Gebundener Ganztag: Verpflichtende Ganztagsschule bis 16 Uhr (kostenfrei)
- Offener Ganztag: Freiwillige Nachmittagsangebote an der Schule
Wo bekomme ich Beratung?
Das Referat für Bildung und Sport berät zu allen Ganztagsangeboten:
📧 info@rbs-muenchen.de
📞 089 / 233-83563
Weiterführende Informationen & Links
Stadt München:
- Kooperative Ganztagsbildung (KoGa) – Offizielle Infoseite
- Kosten für Kita-Plätze und Ganztagsbetreuung
- Referat für Bildung und Sport
Freistaat Bayern:
Forschung & Evaluation: